Focusing in der Körperpsychotherapie – der Felt Sense

Der Felt Sense: “Das ungute Gefühl”

Ich nutze in der Körperpsychotherapie das Focusing und den Felt Sense. Der Begriff wurde von Eugene T. Gendlin zum ersten Mal verwendet und klingt direkt übersetzt eher holprig: gefühlte bzw. wahrgenommene Körpersensation*. Gendlin bezeichnet damit in der Regel das “ungute Gefühl” bzw. unklare, unangenehme Gefühle einer bestimmten Situation oder Person gegenüber.

Was ist der Felt Sense?

Wir alle kennen Situationen, in denen wir aus dem Verstand heraus Entscheidungen treffen: Wir sagen einen Job zu, weil er gut bezahlt ist, obwohl wir uns nicht richtig wohl fühlen. Wir werden ärgerlich, ohne zu verstehen, warum. Irgendetwas fühlt sich nicht gut an, aber wir finden im Außen keine Ursache. Wir gehen vielleicht darüber hinweg, aber es bleibt ein Grummeln, oder uns wird immer noch kalt, wenn wir die Situation anschauen, oder uns stockt immer noch der Atem. Der Felt Sense ist das Kriterium dafür, dass der ganze Mensch in die Problemlösung mit einbezogen wird. Wenn der Atem nicht richtig strömt, das Blut nicht richtig fließt oder die Galle sich irgendwo staut, dann ist der Prozess nicht ganz im Körper angekommen. Nur wenn der Körper insgesamt das Gefühl hat „Oh ja, jetzt bin ich erleichtert, jetzt wird es rund und warm und weit“, dann findet man den Anfang für die Lösung; dann hat der Körper Shift stattgefunden.

In meiner Körperpsychotherapie begleite ich den Patienten sowohl durch Berührung als auch durch begleitende Gespräche dabei, dem Felt Sense auf die Spur zu kommen und sich tiefer mit sich selbst zu verbinden. Der Körper Shift ist der Indikator, dass sich etwas Heilendes in Gang gesetzt hat.

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*) Felt ist die Vergangenheitsform von to feel (=fühlen, z.B. Freude, Trauer, Ärger), Sense heißt ebenfalls Fühlen, bezieht sich aber mehr auf Körpersensationen.

2015-05-06T11:42:45+00:00